begin "Mutter";

Die Mutter schlug die Augen auf und erinnerte sich, daß schon seit geraumer Zeit ein Geräusch in ihrem Zimmer zu hören gewesen war. Sie stöhnte und schlug mit ihrer linken Hand auf den Wecker, der mit einem Scheppern zu Boden fiel. Die Mutter machte erneut ein unwilliges Geräusch und schlug die Decke zurück.
Sie erhob sich, versetzte den Socken auf dem Boden einen Stoß mit dem Fuß und ging ins Bad.
"Bist du schon auf?" rief sie und ließ die Zahnpasta auf die Bürste quellen. Keine Antwort.
"Ob du schon auf bist." rief sie etwas lauter, setzte die Bürste an, und ließ sie wieder sinken, als erneut keine Antwort kam.
"Bist du taub", rief die Mutter und warf die Zahnbürste ins Becken, wo sie langsam hinabglitt. Sie ging an die Wohnungstür, versuchte, zu öffnen, und betrachtete den im Schloß steckenden Schlüssel, als es nicht funktionierte.
"Abgeschlossen", murmelte sie und ging ins Zimmer des Sohnes. Es war leer, doch sein Computer war eingeschaltet.
Die Mutter blickte sich um. Sie schnaubte, dann ging sie in ihr Zimmer zurück, nahm das Telefon unter dem Bett hervor und wählte eine Nummer.
"Hallo", sagte sie, "er ist weg."
Sie schwieg einen Moment.
"Ja", sagte sie schließlich und legte wieder auf. Sie überlegte kurz und wählte dann noch einmal.
"Guten Tag Herr Kommissar", sagte sie nach einer kurzen Pause, "mein Sohn ist verschwunden. Er kann die Wohnung nicht verlassen haben, ist aber nicht mehr da." Sie schwieg einen Moment, dann sagte sie einfach "ja", legte wieder auf und suchte ihre Kleidung zusammen. Sie war noch nicht ganz fertig damit, sich anzuziehen, als es klingelte.
Die Mutter stand auf und ging zur Tür.