Perry Rodent
Die Ratte des Universums

 

Folge 21 - Der Zweikampf

Was bisher geschah:

Die Lage im Käfig nach der Rückkehr der Einsatzgruppe "Dusty Star" aus der staubigen Ebene, wo sie sich mit dem Ungeheuerlichen auseinandersetzte, ist verwirrend. Die Ameisen konnten mit Wolpertingers Hilfe als Verbündete gewonnen werden und besiedeln längst den Käfig und den Bau der Wildratten. Dort bemüht sich der König der Ratten darum, gegen den General die Oberhand zu gewinnen. Der König der Ratten ist es auch, dem der nächste Vorstoß von Perry Rodent und Mandala gelten soll, die seit Gershwins Unfall den Käfig leiten. Doch unmittelbar vor dem Angriff taucht Ratlan, der Einsamer der Zeit auf. Zwischen ihm und Perry Rodent entbrennt DER ZWEIKAMPF.

Als Wolpertinger sich mit wütenden Pfotenstößen seinen Weg durch die gedrängte Menge gebahnt hatte, blieb er zunächst wie alle anderen ein Stück vom Eingang der Höhle entfernt sitzen. Aus sicherem Abstand musterte die Menge Rodent und Mandala, die etwas näher an dem schwarzen Loch kauerten, und wartete auf eine Veränderung der gefährlichen Sitaution.
Kurz wurde auch Wolpertinger von der eigenartigen toten Spannung ergriffen, spürte, wie er passiv werden und gleich den anderen auf eine Entscheidung warten wollte, doch dann schüttelte er sich resolut, qiekte angriffslustig und sprang neben Mandala, der erschrocken zusammenzuckte.
Er wünscht sich genau wie die da hinten, daß ein anderer das Problem löst, dachte Wolpertinger überrascht. Daß er hier vorne sitzt, ist bloßer Zufall. Ob es mit Rodent ähnlich ist? Vielleich sind wir alle überfordert von all diesen Neuerungen. Er überlegte, was er zu berichten hatte. Wir würde der Käfig danach aussehen?
Der Wissenschaftler Wolpertinger betrachtete Perry Rodent, der sich vom Leiter einer kleinen Einsatzgruppe in kürzester Zeit zur wenigstens vorübergehend obersten Ratte des Käfigs gemausert hatte, doch Rodent ließ nicht erkennen, daß er die Ankunft Wolpertingers überhaupt bemerkt hatte.
Nun schien Mandala sich gefangen zu haben, kratzte sich umständlich nichtvorhandenen Dreck vom Kopf und blickte Wolpertinger dabei leicht verlegen an.
Es ist ihm peinlich, dachte Wolpertinger, na, wenisgtens das.
"Er ist immer noch da drin", sagte Mandala schließlich, und nun wandte sich auch Rodent dem Neuankömmling zu.
"Er weiß, daß er nicht ewig da drin bleiben kann", sagte er. "Und wenn er Gershwin tatsächlich umbringt, wie er uns androht, dann ist er erledigt."
Wolpertinger nickte ungeduldig.
"Ich habe etas gesehen", sagte er, "das mindestens genauso viel Ärger machen kann wie diese Wildratte dort drin." Hören die anderen Ratten mit? Wird es sich im Käfig herumsprechen, daß die von der Leitung auch nicht mehr wissen als alle? Egal!
"Die Ameisenkönigin ist mit dem gesamen Haufen schon auf dem Weg hierher. Ich weiß nicht genau, wann sie kommt, aber es kannn nicht mehr lange dauern." Er machte eine kurze Pause und blickte sich um. "Dann ist hier alles voller Ameisen."
Rodent blickte ihn einen Moment stumm an, dann wieder in Richtung auf die Höhle. Vorsichtig streckte er die spitze Nase ein wenig in die Richtung, in der Ratlan gefangen war, dann hielt er inne.
"Ich werde mich um diese Wildratte kümmern", sagte er. "Kümmert ihr Euch um die Ameisen."
Und ohne ein weiteres Wort hüpfte er nach vorne, verfolgt von zahlreichen Augenpaaren. Als er im Eingang der Höhle verschwunden war, seufzte Wolpertinger kurz und stieß Mandala in die Seite.
"Dann wollen wir mal."
*

Mit zusammengekniffenen Augen starrte Rodent sekundenlang in die Schwärze, bis sich die Schatten Gershwins und des Fremden aus der Dunkelheit lösten.br "Ich verhandle nicht", sagte der Fremde ruhig. "Ihr laßt mich nach drüben gehen, und damit genug."
"Du kannst hier nicht heraus", gab Rodent zurück, und versuchte, ebenso beherrscht wie der andere zu klingen, "wir lassen Dich auf keinen Fall weg, solange wir nicht wissen, wer Du bist. Es sind ein paar merkwürdige Sachen passiert in letzter Zeit, und mit ein paar davon scheinst Du etwas zu tun zu haben."
Eine unmerkliche Bewegung. "Bleib wo Du bist", fauchte Rodent, sonst ist es gleich zu Ende. Er war beileibe nicht so selbstsicher, wie er sich gab, doch an der Reaktion merkte er, daß er den richtigen Tonfall getroffen hatte. Er ist gar nicht so hart wie er tut. Das könnte Gershwin retten.
"Ich habe seit Jahren auf diesen Moment gewartet", sagte der Fremde. "Es muß jetzt gelingen." Eine tiefe Traurigkeit schwang in seinen Worten mit. "Seit der Große und Wütende mich hierhergebracht hat, hatte ich nicht mehr so viel Hoffnung wie jetzt." Rodent schwieg irritiert, bis ihm klarwurde, was ihn verwirrte. "Du meinst den Ungeheuerlichen!" rief er ehrlich überrascht. "Er hat Dich hierhergebracht?"
"Was wißt Ihr denn schon", schnappte es abfällig aus den Schatten zurück. "Verwöhnte degenerierte Unterratten."
"Ich habe den Ungeheurlichen verjagt", pfiff Rodent nicht ohne Stolz, und das verblüffte Schweigen zeigte ihm, daß er auf dem richtigen Weg war. "Ich habe sein Licht bekämpft und besiegt, und ihn selbst vertrieben."

Hoffentlich bald folgt Folge 22: In den Höhlen der Chef.