Genista-Verlag
Streusel

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Tom Wolf
Streusel

9,90 Euro
ISBN 3-930171-03-1

 

Ein biographischer Roman, der direkt zu unseren Herzen spricht. Was er ihnen allerdings zu sagen hat, kann sich nur beim Lesen erschließen. 168 Seiten.

Ebenfalls von Tom Wolf: Das letzte Wort, Der Gralsritter und die Fledermaus, Stürmer.

Textauszug

Ich hatte einen Freund, der ähnlich drauf war wie ich - bis auf die Sache mit Gott, in der er anders dachte, wie sein Berufsweg beweist. (Aber soweit ich mich erinnere, hatte er auch zur Konfirmation einen Gutschein für ein Auto geschenkt bekommen.)

Dieser Mensch baute in einer Tour Modellflugzeuge und -schiffe, um sie anschließend von fremden Leuten (etwa mir!) kaputtsteuern zu lassen. Das schien mir im übrigen ein masochistischer Trieb aller Modellbauer zu sein. Genau wie ich interessierte sich dieser Mensch für chemische, physikalische und spirituelle Fragen. Wir beschlossen, zwei eigene Labors zu installieren. Jeder in seinem Elternhaus eins. Das klappte auch, da unsere Eltern glaubten, uns mit ihrer Zustimmung zu regelmäßigen Schulleistungen anhalten zu können. Wir entwickelten bald einen neuen Sprengstoff. Eine Mischung aus Schießpulver und einer noch unbekannten Substanz, die wir in einer mehrwöchigen Destillation aus Underberg im Labor meines Freundes - er (der Freund) hieß Ted (Thomas), genannt Assi von Asbek - hergestellt hatten. Wir stopften die hochbrisante Mischung in eine kleine Metallhülse und klemmten diese an der Seite zu, nicht ohne zuvor eine Zündschnur aus einer alten Feuerwerksrakete mit hineinpraktiziert zu haben. Die Zündschnur koppelten wir mit einer elektrischen Zündspule, die per Funkgerät mit einer Batterie verbunden werden konnte, nämlich indem ein Relais aktiviert wurde, das einen Heizpilz unter Strom setzte, der eine Mischung aus Schießpulver erhitzte, die schließlich die Zündschnur in Brand steckte. Also ganz einfach. Wir waren von der Genialität des Geräts überzeugt. Wir setzten alles in ein ferngesteuertes Boot, an dem wir eine Grußbotschaft für etwaige außerirdische Besucher befestigt hatten, die nach unserem Experiment noch die Erde besuchen würden. Nach drei Stunden Fahrradfahrt erreichten wir den entlegenen Weiher im Wald, auf dem wir es starten wollten. Bombe und Zündmechanismus schipperten wenig später als Modellboot getarnt durch die üppigen Seerosen und die anderen seltenen Pflanzen, die es nur hier gab, denn der kleine See galt als ein einzigartiges, unter Schutz gestelltes Naturwunder. Im sommerlichen Wald zirpten die Vögel, und ein paar Spaziergänger schnürten über den Waldpfad. Vom nahegelegenen Grillplatz tönte lustiges Kindergeschrei herüber. Wir tauschten einen entschlossenen Blick. Mein Vornamensvetter hatte die Ehre, den Funkbefehl zu geben. Er tat es mit einem kurzen, szenisch wohlüberlegten Zögern. Im ersten Moment geschah nichts. Das war auch nicht verwunderlich, da es einige Momente dauerte, bis der Entflammpunkt des Zündgemischs erreicht war. Dann aber zerriß ein metallisches Fauchen die nachmittägliche Stille des Waldes. Aus dem Modellboot schoß eine mindestens zwanzig Meter hohe, grüne Stichflamme, die einige Sekunden lang stehenblieb. Die nachfolgende Detonation war so gewaltig, daß große Teile des Weihers auf der Stelle verdampften. Der fast bis auf null reduzierte Wasserspiegel warf weiße Blasen auf, die beim Platzen eine übelriechende, ebenfalls weiße Qualmfracht in die Umgebung entließen.

Der Qualm wurde indessen gleich wieder von dem heftigen Regenguß aufgefressen, der nun niederging. Dann erreichten uns nacheinander Hitze- und Druckwelle. Eine Feuersbrunst wallte um uns. Die Haare waren angekohlt, als wir aus dem Wald stürmten, der gottlob nicht in Gänze Feuer fing. Keinen Blick warfen wir zurück auf die Stelle, wo einst ein verwunschener Weiher gelegen hatte. Zu grauenhaft wäre der Anblick gewesen, der sich uns da geboten hätte.

Unser gemeinsames Interesse für Astronomie ließ uns oft ganze Nächte am Teleskop (Assi hatte eins) verbringen. Als unsere Suche erfolglos blieb, machten wir ein paar gestellte Fotos mit einem Kleiderbügel und schrieben einen haarsträubenden Sichtungsbericht dazu. Beides schickten wir an eine Ufo-Zeitschrift, die es anstandslos abdruckte. Ich vergaß den Quatsch daraufhin. Als ich wenig später nachts nach Hause kam, bemerkte ich ein seltsames Leuchten im Heizungskeller. Ich ging hinunter und sah mich einem merkwürdigen Gerät konfrontiert. Interessiert trat ich hinzu - und wurde von einem extraterrestrischen Energiestrahl gelähmt! Ich erwachte mit einem eigentümlich gefleckten Gesicht. Es war mein eigenes.